Display mit AGL (Anti-Glare-Layer)
Reproduzierbare Quantifizierung von Display Sparkle
Application Note – Reproduzierbare Quantifizierung von Display Sparkle
Diese Seite zeigt eine Zusammenfassung der Application Note. Thema des Dokuments ist die reproduzierbare Messung des durch die Anti-Glare-Schichten verursachten Sparkle auf Displays.

Was ist Display Sparkle und wodurch wird es verursacht?
Displays, die im Außenbereich eingesetzt werden, z. B. Automobildisplays, sind oft mit Anti-Glare-Schichten (AGL) ausgestattet, die einen großen Teil des einfallenden Lichts (z. B. Sonnenlicht) streuen, um den Kontrast zu erhöhen. Sie beeinträchtigen jedoch auch den transmittierten Teil des Lichts, was zu einer hochfrequenten, wassertropfenähnlichen Leuchtdichteungleichförmigkeit und einer ungleichmäßigen Farbgebung führt. Dieses Phänomen wird Sparkle genannt.
Anwender, Systemintegratoren und Displayhersteller sind an der Charakterisierung des Sparkle interessiert, also der Messung der Intensität des wahrgenommenen Sparkle. Hierfür stellt TechnoTeam eine Messlösung zur Verfügung, bei der unsere LMK-Kamerasysteme so eingesetzt werden, dass die Messungen:
- eine hohe Korrelation mit dem von Menschen wahrgenommenen Sparkle aufweisen
- absolut und reproduzierbar für viele verschiedene LMK-Kamerasysteme sind
- flexible Setups ermöglichen, einschließlich BlackMURA-kompatibler Setups
- durchgeführt werden können, ohne die AGL zu entfernen

Darstellung der Entstehung von Sparkle
Messung von Display Sparkle
Für die Messung von Display Sparkle muss die Kamera zunächst relativ zum Display ausgerichtet, dann der richtige Fokus eingestellt und schließlich die eigentlichen Messungen durchgeführt werden.
Die geometrische Ausrichtung erfolgt mittels des bewährten BlackMURA-Verfahrens. Auf diese Weise kann dasselbe Setup für Sparkle- und BlackMURA-Messungen verwendet werden.
Einer der entscheidenden Aspekte des Messaufbaus ist die richtige Fokussierung, da eine undefinierte Unschärfe des Sparkles die Reproduzierbarkeit negativ beeinflusst. Um dieses Problem sowohl bei manuellen als auch bei Autofokus-Objektiven zu vermeiden, haben wir den Distanz-Fokus-Scan entwickelt, der den Abstand zum Display und damit die relative Fokusposition verändert.
Die eigentliche Messung basiert auf einem Frequenzfilteransatz, der das aufgenommene Bild analysiert und periodische Komponenten wie das Pixelmuster herausfiltert. In dem gefilterten Bild kann anschließend der Sparkle-Kontrast in Prozent ermittelt werden. Der Sparkle-Kontrast ist definiert als die Standardabweichung der Leuchtdichte geteilt durch den Mittelwert der Leuchtdichte.

Distanz-Fokus-Scan
Reproduzierbarkeit
Das Verfahren zur Messung von Sparkle ist reproduzierbar und kann mit vielen verschiedenen Kamera-Objektiv-Kombinationen von TechnoTeam verwendet werden.

Gemessene Sparkle-Ergebnisse.
Die x-Achse des Diagramms zeigt den von Menschen wahrgenommenen Sparkle, der von OEM- und Tier-1-Experten aus der Automobilindustrie bewertet wurde.
Die y-Achse zeigt den gemessenen Sparkle für die spezifische Kamera-Objektiv-Kombination.
Ergebnisse
Die Ergebnisse werden in Prozent angegeben. Aufgrund der Reproduzierbarkeit dieser Methode ist es möglich, einen Schwellwert für den Sparkle zu vereinbaren. Dadurch, dass die AGL nicht entfernt werden muss, kann das Verfahren in verschiedenen Schritten der Produktentwicklung oder in der Produktionskontrolle des Displays verwendet werden.
Zusammenfassung
Diese Application Note zeigt, wie man Sparkle, eine hochfrequente Leuchtdichte- und Farbabweichung, die durch die Verwendung von Anti-Glare-Layern verursacht wird, messen kann. Diese Technik ist in hohem Maße reproduzierbar, korreliert gut mit dem von Menschen wahrgenommenen Sparkle, kann in einem BlackMURA-kompatiblen Setup verwendet werden und kann ohne Entfernung der AGL durchgeführt werden.
FAQ — Display Sparkle Messung
Display Sparkle ist eine hochfrequente, zufällige Variation der Leuchtdichte und Farbe, die sich dem regulären Pixelmuster eines Displays überlagert. Sparkle ist oft kritisch bei Displays, die eine Anti-Glare-Schicht (AGL) haben — ein in hellen Umgebungen häufig eingesetztes Cover-Material. AGLs sind im Automobilbereich und in anderen Anwendungen mit hoher Anforderung an die Ablesbarkeit unter Umgebungslicht verbreitet, kommen aber nicht in jedem Automotive- oder Outdoor-Display zum Einsatz.
Wo eine AGL vorhanden ist, ist sie die physikalische Ursache des Effekts. Quantifiziert wird Sparkle durch den Sparkle-Kontrast, der in IEC 62977-3-9 definiert ist.
Die Anti-Glare-Schicht streut Licht. Das ist ihre Aufgabe in der Reflexion: Einfallendes Umgebungslicht wird vom Betrachter weggestreut, sodass spiegelartige Reflexionen auf der Displayoberfläche unterdrückt und der Kontrast in hellen Umgebungen verbessert wird.
Dieselbe Streuung wirkt sich auch auf das Licht aus, das das Display durch die AGL emittiert. Die Mikrostruktur der Schicht bricht und streut das Licht der einzelnen Subpixel in leicht unterschiedliche Richtungen. Was beim Betrachter ankommt, ist eine zufällige, hochfrequente Leuchtdichtevariation, die sich dem regulären Pixelraster überlagert. Diese Variation messen wir als Sparkle. Wie stark der Sparkle ausfällt, hängt vom Aufbau der AGL (Folie oder Glas, Rauheit, Schichtdicke, Abstand zum Pixel-Layer) und vom Display dahinter (Subpixel-Layout, PPI) ab.
Sparkle-Messungen reagieren empfindlich auf mehrere Setup-Bedingungen: wo der Fokus liegt, wie fein die Kamera das Display abtastet, welche Apertur das Objektiv hat und welcher Algorithmus das Sparkle-Signal vom regulären Pixelmuster trennt. Werden diese Bedingungen nicht kontrolliert, können zwei Labore am selben Panel sehr unterschiedliche Werte ablesen.
IEC 62977-3-9 berücksichtigt das auf zwei Wegen. Die Norm verlangt, dass jede Messung die relevanten Setup-Bedingungen dokumentiert, und sie lässt mehrere Verfahren zu, mit denen das Sparkle-Signal von der Pixelmatrix getrennt werden kann. Das TechnoTeam-Verfahren adressiert jede dieser Bedingungen einzeln: Ein Distanz-Fokus-Scan kümmert sich um die Fokusposition, das Fourier-Downsampling um die Abtastauflösung, ein internes Aperturfenster hält den Aperturwinkel in einem reproduzierbaren Bereich, und der gewählte Separationsalgorithmus ist ein Frequenzfilter, der mit BlackMURA-Setups kompatibel bleibt.
Der Sparkle-Kontrast ist die Kenngröße, mit der Display Sparkle quantifiziert wird. Er wird in Prozent angegeben und ist definiert als die Standardabweichung der Leuchtdichte geteilt durch den Mittelwert der Leuchtdichte. Beim Frequenzfilter-Verfahren wird dieser auf dem frequenzgefilterten Bild und nicht auf der Rohaufnahme, sowie innerhalb eines definierten Auswertebereichs, berechnet.
Eine aufgenommene Leuchtdichteverteilung des Displays wird in den Frequenzraum transformiert. Dort werden zwei Anteile herausgefiltert: die periodische Komponente, die vom Pixelraster stammt, und die niederfrequente Komponente, die von großflächigen Leuchtdichteverläufen wie Backlight-Gradienten herrührt. Das Bild wird anschließend in den Ortsraum zurücktransformiert, und der Sparkle-Kontrast wird auf diesem gefilterten Bild berechnet. Was übrig bleibt, ist der hochfrequente Signalanteil, der dem wahrgenommenen Sparkle entspricht.
Der Frequenzfilteransatz ist eine von mehreren Separationsmethoden, die IEC 62977-3-9 zulässt. TechnoTeam hat ihn gewählt, weil er unter denselben Abtast- und Ausrichtungsbedingungen wie BlackMURA arbeitet — eine einzige Messzelle kann damit beide Messungen abdecken. Damit das Ergebnis über verschiedene Kameras und Objektive vergleichbar bleibt, unterdrückt die inverse Fourier-Transformation zusätzlich Frequenzen oberhalb einer gemeinsamen Referenz — ein Schritt, der die Abhängigkeit von der tatsächlichen Abtastauflösung innerhalb des validierten Messfensters herausnimmt.
Das zufällige Sensorrauschen einer Leuchtdichtemesskamera (ILMD) sieht im aufgenommenen Bild ähnlich aus wie der Sparkle: beide sind hochfrequent und zufällig. Sobald das periodische Pixelraster herausgefiltert ist, kann das Sensorrauschen daher zum gemessenen Sparkle-Kontrast beitragen und den ausgegebenen Wert fälschlich erhöhen. Bei Displays mit starkem Sparkle, bei denen das Sparkle-Signal dominiert, ist dieser Effekt klein, kann bei niedrigen Sparkle-Werten — also nahe am Niveau eines Panels ohne AGL — aber signifikant werden.
Die Gegenmaßnahme ist Mittelung. Vor der Berechnung des Sparkle-Kontrasts werden mehrere ILMD-Aufnahmen desselben Bildes erfasst und zusammengefasst. Das Sparkle-Signal bleibt unter dieser Mittelung konstant, während der zufällige Rauschanteil mit dem Faktor √N für N Aufnahmen sinkt. Schon wenige gemittelte Aufnahmen senken den Rauschbeitrag deutlich unter das Sparkle-Signal.
Das Verfahren wurde während seiner Entwicklung gegen subjektive Expertenbewertungen validiert. Qualitätsingenieure aus dem Automotive-Display-Bereich bewerteten eine Reihe von AGL-Mustern in den Kategorien niedrig, mittel und hoch, ohne die gemessenen Werte zu kennen. Die Sparkle-Kontrast-Werte folgten dieser visuellen Rangfolge in einer klar monotonen Beziehung über die drei Kategorien hinweg. Das Verfahren wurde anschließend in einem Ringversuch mit drei unabhängigen Laboren bestätigt.
Der Akzeptanzschwellwert für einen „guten" Sparkle-Wert wird vom OEM oder durch die Anwendung festgelegt. Auch IEC 62977-3-9 definiert keinen Wert.
Nein. Unser Verfahren ist so ausgelegt, dass die AGL auf dem Display bleibt. Genau das macht die Messung über den gesamten Lebenszyklus hinweg einsetzbar: AGL-Entwicklung, Lieferantenqualifizierung und Wareneingangsprüfung am fertigen Modul nutzen dieselbe Methode. Sie funktioniert sowohl für beschichtetes Cover-Glas vor einem Referenzdisplay als auch für ein fertiges Modul, und sowohl glasbasierte als auch folienbasierte AGLs sind abgedeckt.
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Referenzen
| [1] | Becker M. E., Sparkle measurement revisited: A closer look at the details, J. Soc. Inf. Disp. 23 (10), (2015) |
| [2] | Becker M. E., 8-1: Standardization of Sparkle Measurement: A Solid Basis, SID Symposium Digest of Technical Papers, 49, 1, (2018). |
| [3] | Rotscholl I., Rasmussen J., Rickers C. et al., Understanding and Achieving Reproducibility for the Evaluation of Display Sparkle Contrast, Proc. International Conference on Display Technology 2020, (2020) |
| [4] | Rotscholl I., Rasmussen J., Rickers C. et al., Understanding and Achieving Reproducible Sparkle Measurements for an automotive specification, Proc. SID Vehicle Display 2020, (2020) |
| [5] | Kurashige M. et. al, VHF1-3 Estimation of Equivalent Conditions for Display Sparkle Measurement, Proc. International Display Workshop (2019) |
| [6] | Isshiki M., Inouye A., Tamada M., Kobayashi Y., 78‐3: The Optimized Condition for Display Sparkle Contrast Measurement of Anti‐Glare Cover Glass based on the Solid Understandings, SID Symposium Digest of Technical Papers, 50, 1, (2019) |
| [7] |
German Automotive OEM Work Group Displays, Uniformity Measurement Standard for Displays V1.3, (2018) |